Bedrohliches Zinsumfeld?

andre.steiner@mendo.ch Vermögen und Kapitalanlagen

2.7.2019 – In einem Blog-Artikel aus „Der Bund“ geht der Autor auf eine Aussage von Larry Summers einem einstigen Finanzminister und Topökonomen aus den USA ein. Im Jahre 2013 merkte dieser in einer kurzen Rede an, uns erwarte eine Jahrhundert-Stagnation (secular stagnation). Der Begriff wurde in den 1930er Jahren auch schon durch den Ökonomen Alvin Hansen verwendet. Dieser war überzeugt, dass die Weltwirtschaftskrise zu einer sehr langen Stagnation führen würde – was sich dann als falsch entpuppte. Auch die Aussage von Larry Summers wurde vor 6 Jahren kontrovers aufgenommen.

Nachdem die Zinsen – vorallem in den USA – nach einem Tief im Sommer 2016 doch etwas gestiegen waren, schien sich die Zins- und Wirtschaftssituation nach der Finanzkrise 2008 doch allmählich zu normalisieren. Seit Anfang Jahr sind die Zinsen aber weltweit erneut stark gesunken und die Theorie von Summers gewinnt wieder an Bedeutung.

Seit einigen Jahren herrschen in Europa und auch in der Schweiz deutlich negative Realrenditen (Zinsen minus Teuerung). Wer also sein Geld in Geldmarkt- oder Obligationenanlagen anlegt, erzielt eine negative Rendite. In den USA nähert man sich nun wieder einem Realzins von 0% an, nachdem dieser in den letzten Jahren positiv ausfiel.

War der Wirtschaftsaufschwung und die Normalisierung der Zinssätze in den letzten Jahren nur ein Strohfeuer? Tatsache ist, dass das Wirtschaftswachstum nachlässt, die Inflation trotz weit offenen Geldschleusen nicht anzieht und die Zinsen nahe an den Rekordtiefs verharren.

Summers scheint zunehmend recht zu erhalten und das ist beunruhigend. Die Konsequenzen seiner Diagnose sind die Folgenden:

  • Die Geldpolitik der Notenbanken erzielt kaum noch einen Effekt und die Zinsen müssen langfristig bei 0% gehalten werden.
  • Die Realwirtschaft wächst kaum noch
  • Vermögenspreise (Immobilien, Aktien) profitieren, neigen aber auch zu Übertreibungen was eine permanente Gefahr darstellt
  • Staatskassen und Altersvorsorgesysteme sind unter Druck